Folge 2
Das Hoawief
Der Spuck von Brüssow
Content-Warnung: Diese Folge enthält Themen wie Tod, körperliche Gewalt und eine Hinrichtung. Die Gewalt wird nicht detailliert beschrieben.
Eine alte Wirtschafterin. Ein schwerer Schlüsselbund. Und ein Geist, der auch nach seinem Tod keine Ruhe findet.
Auf dem ehemaligen Domänenhof in Brüssow soll einst eine besonders grausame Wirtschafterin gelebt haben. Der Überlieferung nach behandelte sie die Mägde hart und gönnte den Menschen nicht einmal trockenes Brot. Als sie eines Tages eine Magd beim Naschen erwischte, erschlug sie das Mädchen mit ihrem Schlüsselbund.
Die Tat kam ans Licht. Die Wirtschafterin wurde zum Tode verurteilt und gehängt.
Doch danach begann der Spuk.
Nachts soll die alte Frau wieder auf dem Hof erschienen sein. Mal im Schweinestall, mal im Hühnerstall und manchmal mit klirrendem Schlüsselbund im Haus. Dabei soll sie immer wieder „Hoa, hoa!“ gerufen haben. Selbst mehrere Geistliche konnten den Spuk angeblich nicht vertreiben.
Erst ein reisender Scharfrichter soll es geschafft haben. Mit einem Sack und einem Knüppel stellte er dem Geist nach, fing das Hoawief ein und brachte es zu einem abgelegenen See an der Grenze zu Carmzow: dem Ganznow.
Doch auch dort soll die alte Frau nicht zur Ruhe gekommen sein. Menschen, die am Ufer Nüsse pflücken wollten, wurden der Sage nach getäuscht. Und wer im stillen Wasser badete, musste angeblich damit rechnen, vom Hoawief an den Beinen in die Tiefe gezogen zu werden.
In dieser Folge geht es außerdem um zwei Brüder, einen Dachs und einen Sack, der auf dem Heimweg immer schwerer wird. Und um eine Nacht im Brüssower Amtshaus, in der das Hoawief die Füße und Köpfe schlafender Gäste immer wieder in eine gerade Linie zieht.
„Liek lank.“
Gleich lang.
Was steckt hinter dieser unheimlichen Gestalt aus der Uckermark? Ist das Hoawief nur eine alte Spukgeschichte, oder erzählt die Sage auch etwas über Schuld, Strafe und die Angst vor Orten, die wir nicht vollständig kontrollieren können?
Diese Folge erzählt die Überlieferungen rund um das Hoawief als Sage. Die geschilderten Ereignisse und die Existenz der Spukgestalt sind nicht historisch belegt.
Sage oder Wahrheit?
Die Geschichten rund um das Hoawief sind als regionale Überlieferungen dokumentiert. Der Landkreis Uckermark führt mehrere Fassungen der Sage, darunter „Das Hoawief“, „Das Hoawief und die Dachsjäger“ und „Das Hoawief ängstigt die Gäste“. Doch eine überlieferte Sage ist kein Beweis dafür, dass die beschriebenen Ereignisse tatsächlich passiert sind. Und genau hier wird es spannend: Könnten manche Erlebnisse, die früher als Spuk gedeutet wurden, heute vielleicht anders erklärt werden? Besonders die Geschichte aus dem Amtshaus erinnert an Phänomene wie Schlafparalyse. Menschen können dabei aufwachen, sich aber für kurze Zeit nicht bewegen und manchmal sogar das Gefühl haben, dass eine fremde Gestalt im Raum ist. Ob eine solche Erklärung tatsächlich hinter der Sage vom Hoawief steckt, lässt sich natürlich nicht beweisen. Sie zeigt aber, wie aus einer real empfundenen Erfahrung eine unheimliche Geschichte entstehen und über Generationen weitergegeben werden könnte.
Die Geschichte wird als Sage und Überlieferung erzählt.
Die geschilderten Ereignisse und die Existenz des Hoawiefs
als Spukgestalt sind nicht historisch belegt.
Die Geschichte wurde für den Podcast sprachlich bearbeitet
und in eigenen Worten nacherzählt.
Quellen